Begegnungen - Zwischenwelten

Vernissage zur Ausstellung in der Berliner Galerie am Spittelmarkt

Am 30.08.2014 wurde meine Ausstellung "Begegnungen - Zwischenwelten" mit einer Vernissage in der Galerie am Spittelmarkt eröffnet. Die Besucher konnten über 30 Arbeiten anschauen, die in den letzten vier Jahren entstanden sind. Die Laudatio hielt mein Künstlerkollege und Vorsitzender des Vereins Schöneweide Artist e.V. Steffen Blunk.

Mein herzlicher Dank gilt allen Akteuren, Gästen und insbesondere dem Galeristen Thomas Reiche und seinem Team für eine gelungene Vernissage.

Impressionen von der Ausstellungseröffnung:

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Die Laudatio:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich freue mich, heute Abend ein paar einleitende Worte zu der Ausstellung Begegnungen – Zwischenwelten meiner Kollegin und guten Freundin Anett Münnich zu sagen.

Wer die Ausstellung betrachtet, dem wird als erstes die enorme Spannbreite im Schaffen der Künstlerin Anett Münnich auffallen. Da sind zunächst die impulsiven, expressiven Stadtansichten, die Anett Münnich mit dynamischem Schwung auf die Leinwand wirft. Oft mit vor Ort gefundenen Materialien zu Kollagen erweitert, lässt sie Farben auf ihnen fließen, tropfen und spritzen, sie spachtelt, kratzt und malt, bis sie die glitzernden Lichter einer Großstadt eingefangen und auf den Bildträger gebannt hat. Der Betrachter meint in diesen Bildern die urbanen Vibrationen förmlich zu spüren.

New York hat es ihr angetan, eine Malreise nach New York war zugleich auch eine Schlüsselsituation in ihrer künstlerischen Entwicklung. Und so stehen die Stadtlandschaften als ein eigenständiger Werksbereich wie eine feste Säule im Gesamtschaffen der in Berlin arbeitenden Künstlerin. Und feste Säulen kann sie brauchen, wie jeder Künstler, der sich mit einem einmal gefundenen Können nicht zufrieden gibt, sondern immer auf der Suche bleibt.

Neben den impulsiven, fast lauten Stadtbildern fallen die feinen obgleich ebenfalls farbintensiven, liebevollen Aquarelle auf. Mit ihnen, mit dem Aquarell, hat alles begonnen, mit Aquarellfarben und frustrierenden Erlebnissen an Volkshochschulen. Denn es gibt, wie Anett Münnich mir erzählt hat, keinen von Geburt an unausweichlich scheinenden magischen Ruf zum Künstlerischen. Vielmehr ist es eine späte, in einem ganz anderen Berufsalltag leise sich meldende Stimme, die sich zunächst Raum für ein Hobby wünscht. Erst im Laufe der Jahre ruft sie immer kräftiger und fordernder nach Professionalisierung.

Aquarell bietet also den Einstieg und Anett Münnich verfolgt und perfektioniert diese Technik über Jahre – im Selbststudium, in Kursen an Sommerakademien und bei Malreisen. Sie wäre aber nicht sie selbst, wenn sie nicht auch hier eigene, in der Aquarellmalerei ganz unübliche Ansätze experimentell verfolgt hätte: statt mit den reinen Farben zu arbeiten, nutzt sie auch Tusche und Kreide und andere Malmedien, um so ungewöhnlich farbintensive Bilder zu entwickeln. Diesem Weg folgte sie lange - bis eben zu jener erwähnten Malreise nach New York, die alles auf den Kopf stellte und zu den schon erwähnten Stadtlandschaften führte.

Ein dritter, völlig neuer Ansatz ist in dieser spannungsreichen Ausstellung nicht zu übersehen, es sind die abstrakten Bilder, die Farbexperimente in denen Anett Münnich mit oft ganz gleichmäßigem Pinselstrich Farbfläche neben und über Farbfläche setzt, Formen schafft, wieder auflöst, Flächen nebeneinander stellt oder sich überlappen lässt. Abstraktion im wahrsten Sinne des Wortes – heute wird ja gern alles abstrakt genannt, auf dem nichts zu erkennen ist. In diesen Arbeiten allerdings abstrahiert die Künstlerin tatsächlich konkrete Bildinhalte: Äste, Bäume, Pflanzen, selbst Städte splittern sich auf in immer abstraktere Formen, bis eben am Ende die lichten, leuchtenden Farbfleckenbilder entstehen, die Sie heute hier sehen können. Es ist dies ein vergleichsweise neu eingeschlagener Weg von Anett Münnich und es spricht für ihren künstlerischen Eigenanspruch, ja: Ehrgeiz, dass sie sehr schnell zu gültigen Ergebnissen gekommen ist, die sich, wie man sieht, hervorragend ausstellen lassen.

Dass Anett Münnich stets auf dem Weg ist und nie ans Ziel kommt – ein Umstand, der viele Künstler einigt – zeigt ein kurzer Blick in die Vita: Aus dem Studium Chemieanlagenbau, der Spezialisierung auf Lebensmitteltechnik und der anschließenden Produktforschung, aus der unter anderem Meerrettich in Tuben für Delikatläden entstand, dürfte sich Anett Münnichs Liebe zum Experimentellen mit in die Kunst gerettet haben. Einige Jahre im Journalismus und die Umwege, die sie zur AOK geführt haben, mündeten wie erwähnt in der Suche nach einem sinnerfüllten Hobby. Niemand mit Ehrgeiz und Freude an der Fortentwicklung kann Kunst jedoch dauerhaft als Hobby betreiben, so dass die Professionalisierung unausweichliche Pflicht ist.

Wer also diese Ausstellung betrachtet, wird das hohe Maß an erreichter Professionalität erkennen, und mancher Künstler würde sich an Anett Münnichs Stelle vielleicht bequem einrichten im Erreichten und sich zufrieden geben, sicherlich mit einigem Recht. Anett Münnich jedoch geht weiter und so hat sie vor nicht ganz einem Jahr mit einem Studium der Malerei begonnen. Mit dem ihr eigenen Anspruch an die Fortentwicklung setzt sie sich hier erneut mit Aquarell auseinander, auf eine auch für sie neue und weiterführende Art. Gleichzeitig entdeckt Sie den Druck für sich – zumindest als ein neues Feld des Experiments. Sie, liebe Gäste, können diesem Ansatz in der ausliegenden Mappe begegnen.

Wieder ganz neue Wege eröffnen sich ihr also in dem fünfjährigen Studium. Oder werden es nur konsequente Fortsetzungen bestehender Wege sein? So oder so, wir eröffnen heute eine wunderbare Ausstellung reifer Werke und wissen doch schon, dankbar und neugierig auf die Zukunft, dass wir noch vieles von dieser Künstlerin zu erwarten haben werden. Und darauf freue ich mich schon heute. Zunächst wünsche ich Ihnen einen anregenden Abend und spannende Begegnungen mit Anett Münnich und ihren Werken.

Laudator: Steffen Blunk, Künstler, Journalist und Vorsitzender des Vereins Schöneweide Artist e.V.

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